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psychische fraktalvernetzungsversuche

psychische fraktalvernetzungsversuche

oder aber

kann der minotaurus durch besonders schnelles laufen im labyrinth sich selbst begegnen?

von a.oppolzer

versuch, relevantes für die psychotherapie zum ausdruck zu bringen

wie soll der beginn aussehen: "wie fange ich an?" fragt alice die herzkönigin. "fang immer am beginn an" ist deren paradoxe antwort.

Den beginn gewisser ereignisketten zu definieren ist schwer bis unmöglich. Irgendwann in unseren konstruktivistischen nachdenkversuchen beschließen wir, einen punkt zu setzen - hier hat es begonnen; der start, der auslöser - auch die schuld.

Viele klassische epen und großwerke werden vor dem beginn mit einer genealogie versehen. Damit wird klar,daß die ereignisse ihre ordnung haben, daß sie ableitbar sind. Unserem programmierten wunsch nach übersichtlichen kausalketten wird somit entsprochen.

Erstaunlicherweise ist dieses genealogische denken in den anamnesen unserer klientInnen nicht so ausgedehnt;ich erlebe oft, daß der gedankliche zeitpfeil meist bis zum beginn der jeweiligen schwangerschaft reicht. Allerdings ist die informationsmenge seltsam dürftig - oft eingedürrt auf datierungen (wann ist er/sie zum ersten mal gestanden, gerobbt, trocken gewesen, hat mama gesagt usw) und auf gewichtsmarken; im ersten erinnern sind die schwangerschafts- und säuglingszeit , wenn sie positiv verliefen, eher banal homogenisiert (war eine gute, schöne zeit); es kommt meist keine prägnante erinnerungskontur zustande; oder aber jene "spitzen" erinnerungsscherben, die negative, belastende details beschreiben; das finde ich oft bei jenen frühen geschichten, wo rhythmusstörungen und kommunikationsprobleme eine zentrale rolle spielten; ebenso wenn "maligne", grenzverletzende außeneinflüsse (z.b. durch schwieger/mütter) die mutter-säuglingssituation belastet hatten.

Die schwangerschaft wird oft als kontrastierung beschrieben - "wie ich es mir vorgestellt hatte und wie es dann (meist sehr, sehr anders) kam";an diesem erinnerungssegment werden oft auch die ursprünge von beziehungsmythen festgemacht; so als wäre dieser beginn vor dem beginn ein beziehungsfraktal; so als hätte man schon damals (hätte man nur das heute gewußt) erkennen können, wie sich diese beziehung gestalten würde. Aber vorsicht - der rückschauende begründungsversuch ist auch eine nachjustierung, eine glättung der erinnerungsstücke. Man kann sagen: je stringenter, linearer die kausalität abgeleitet werden kann, desto erträglicher scheint die gegenwart(auch wenn sie ohne dem glättenden erinnerungshintergrund schlichtweg unerträglich ist). Weiters habe ich bisher erkennen können, daß leib und denken ökonomisch agieren - einfacher gesagt: faul sind! Daher ist das erträglichkeitsgefühl ein wesentliches - denn es bringt zum ausdruck, daß 1. Last aufliegt; 2. daß die last nicht zu groß ist und daß 3. dementsprechend eine große veränderung nicht zu erwarten ist (weil der vermutete energieaufwand für veränderung graß größer erscheint als der energieaufwand für das ertragen einer erträglichen last).


traum-a

Traum-a

So gesehen: es gibt keine wirklichkeit!

Ein organischer apparat, geschützt und gefangen in einer engen knochenkapsel, besteht aus 100 bis 600 milliarden (!!!) zellen. Jede dieser nervenzellen hat rund 10000 eingabestellen von anderen neuronen und nur wenige ausgabestellen. Das ding "hirn" sieht,hört, empfindet etc. nichts - es ist in einer temperaturkonstanten, flüssigkeitsgepufferten, geschlossenen schüssel auf-bewahrt.

Daß es soweit kommen konnte, scheint mit einer unzahl von entwicklungsdurchgängen zu tun zu haben - schon eine erstaunliche strecke: vom einzeller zum milliarden-einzeller, der mikrochips herstellen läßt! die lernfähigkeit dieser zeitkohorten von menschlichen prototypen scheint zwar für die individuelle zeitspanne gegeben - möglicherweise lernen wir aber ganz wenig dazu, sondern wir nennen die persönliche entfaltung der genetischen talente irrtümlicherweise "lernen". Dieses "lernen" entspräche der anlagebedingten adaptationsfähigkeit des jeweiligen menschen - die oft zitierten "tüchtigen" weisen die bessere entsprechung für das umgebende auf; wer besser entspricht, hat mehr "freie" möglichkeiten, hat mehr lust und in lustvoller konsequenz mehr nachkommen.

In den zurückliegenden 100000 jahren - mit zunahme der lebensspanne (durch kulturtechniken ermöglicht) - konnten vier kopien=generationen (mit jeweils leichten abänderungen durch den genetischen mix) nebeneinander leben, sich fördern oder bis zur selbstzerstörung auf die nerven gehen. Jedenfalls konnten diese "viererpacks" einander iterativ versichern, daß das scheinbare wirklich und wahr sei; daß die regeln einer ableitbaren ordnung (früher von "gott" gegeben - jetzt vom wissen der menschen erstellt) entsprechen. So kommen jene bemerkenswerten "aussagen" zustande - wie :"eine rose ist eine rose ist eine rose" oder "am anfang schuf gott ...." oder" e=mv²"oder "der traum ist die via regia zum unbewußten" oder "worüber man nichts zu sagen hat, muß man schweigen" oder "daß der mensch vom affen abstamme" usw.....

So gesehen, gibt es keine wirklichkeit - aber es gibt eine milliardenfach erzählte geschichte, daß es sie doch gibt...

Ein psychotisch denkender junger mann schrieb mir einmal auf: "es gibt unendliche viele wirklichkeiten, die der mensch noch gar nicht gedacht hat, und die erst dekliniert(!) werden müssen" - dieser junge mann hat selbstmord gewählt.

Eine andere herangehensweise - die uns verlockend fremd erscheint, weil sie wenig mit der hauptgeschichte unserer "viererpacks" zu tun hat:"ein roher schlächter (von tausenden schafen) tritt auf den buddah zu und sagt:"ich bin eine der zehntausend wiederverkörperungen des buddah!" der sagt:"wahrlich, du bist es!" So gesehen, gibt es auch kein trauma; aber es gibt störungen unserer traditionellen voraus"berechnungen" der "wirklichkeit"; verhinderungen der flucht und leiblichen schmerz - und die erinnerung daran, wenn auch alles schon vorbei ist.

"a traum oder a trauma?"


schlüssel zum schloß

Der schlüssel zum schloß

Eine in derartigen erwägungen durchaus angebrachte anmerkung bezieht sich auf garfield - den kater. Eine seiner taktisch, lebenskundigen maximen:"wenn du sie nicht überzeugen kannst, dann verwirre sie!"

Womit haben wir es in der psychotherapeutischen arbeit zu tun? Was wollen wir den eigentlich?schon davor gesagt - mir geht es eher selten um das er-gründen; das scheint mir sehr oft zum be-gründen neuer, nur zum teil zweckmäßiger konstrukte zu führen. Und wenn diese neu-gründungen auf der zuneigungsebene, die uns klientInnen in ihrer not entgegenbringen, beruhen, dann ist damit auch schon eine quasi-neurotische fixierung mitprogrammiert. Wer kann sich schon locker diesem übertragungsgefälle entziehen; wer kann apostolische/apodiktische feststellungen einfach aufheben - nach dem motto: das ist nur eine der vielen möglichen sichtweisen zum phänomen?

Ab und zu - wenn es vom klienten und von mir her stimmt- ist ein stollen in die schichten der erinnerung zu treiben -ok!

Ich arbeite für die zunahme der möglichkeiten der klientInnen - denn in der zunehmenden menge von denkspielen um ein phänomen liegen mit größerer wahrscheinlichkeit lösungen; außerdem sind damit überraschung+kreativität - vor allem aber neugier gekoppelt; regungen, die ich als intrinsische motivationsmotoren hoch einschätze.

Dazu ein zitat aus heinz v. förster´s kybernEthik, das mich zuletzt sehr angeregt hat: "aber das kann doch nicht sein.... nur einer kann im besitz der wahrheit sein!" "das problem ist nicht wahrheit", antwortete er,"das problem ist vertrauen". Ich hatte verstanden: das problem ist das einander verstehen; das problem liegt im verstehen des verstehens; das problem besteht darin, entscheidungen über prinzipiell unentscheidbare fragen zu treffen. "was soll ich ihnen sagen?" Sag ihnen, sie sollten immer so handeln, die anzahl der möglichkeiten zu vermehren!"

Faszinierend ist, daß die innere spiegelung dessen, was irgendwie draußen sein könnte, wie eine art kugel-imax uns innen(!!) umschließt, während wir das gewisse gefühl haben, ein selbstverständliches draußen mit unseren sinnen draußen wahrzunehmen. Innen und außen beginnen sich damit - zumindest für mich - so zu verquicken, daß beide behauptungen nur konvention sein können.

Dann schaue ich aus dem fenster - bewegte, bunte mehrsinnige welt; und auch für mich nicht sicher überprüfbar - ich werde die spitze der pappel vor meinem fenster nie erklimmen/ auch nicht durch einen flugapparat zu erforschen suchen. Kann es sein, daß sich alles das mein kugelapparat ausdenkt? Wohl kaum - wofür auch die mühe. Also nehme ich die gegebenheit dieser außen"erscheinungen" an; gebe ihnen namen und unterhalte mich mit anderen manchmal darüber, ob sie mit gleichen namen ähnliche erfahrungen verbinden.

Ähnliches kann ich auch von den therapeutischen unterhaltungen sagen - wir nennen in diesen gesprächen phänomenologisch relevante namen (mutter, vater, liebe, sex, traum-a usw.) und erzählen dann geschichten über ähnliche oder auch sehr anders gelagerte erfahrungen.

In der therapie ist für mich derzeit neben dem interesse an lösungen ein zweiter wesentlicher teil der, den klientInnen zu vermitteln, daß sie mit ihren namen und ihren erfahrungen nicht alleine sind

Stell dir vor, du kommst wieder in das paradies zurück; es ist immer noch da - alles ist viel üppiger geworden; alles - du, adam/eva, sogar die apfelbäume. Gott ist verschwunden, und Namen, erfahrungen, die vielen geschichten sind deinem "du" zu erzählen...


alfred oppolzer

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